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So hat uns die Polizei flächendeckend auf dem Radar

So hat uns die Polizei flächendeckend auf dem Radar

Die neuste Wunderwaffe der Polizei ist ein grauer Kasten: rund 1,50 Meter hoch und ein Meter lang. Ihr Name: TraffiStar SR590. Der Superblitzer gehört zur jüngsten Generation von Geschwindigkeitsmessgeräten. Sogenannte semistationäre Anlagen, die leicht auf- und abgebaut werden können, vollautomatisch funktio­nieren und jeden Schnellfahrer erwischen, jederzeit und überall.

Radar total! Im Katalog werden die Vorteile des TraffiStar gepriesen: Er ist mit modernster digitaler Fototechnik ausgerüstet, schiesst von jedem Verkehrssünder zwei Frontfotos und ein Heckfoto mit bis zu elf Millionen Pixeln. Der Akku reicht, um eine Woche lang zu blitzen, bei Temperaturen von minus zehn bis plus sechzig Grad Celsius – ganz ohne Personal.

Die Stadt Luzern vergab jüngst einen Auftrag an die Hersteller­firma des Radarwunders. Sie ersetzt mit den beweglichen Radarfallen stationäre Anlagen. Ebenso die Stadt Zürich und die Kantone Bern, Graubünden und Baselland. In St. Gallen entscheidet das Par­lament im November, ob weitere Hightech-Blitzer angeschafft werden. Die Polizei hat fünf semi­sta­tionäre Radarfallen beantragt, acht von diesem Typ sind bereits auf Kantonsgebiet im Einsatz.

Grund für den Siegeszug der mobilen Blechpolizisten: Die Wirkung von fix installierten Radar­anlagen verpufft schnell, wenn die Autofahrer die Standorte erst einmal kennen und an den entsprechenden Stellen vorsichtig fahren. «Die nachhaltige Wirkung von semistationären Geräten ist viel grösser», sagt Christoph Gnägi von der Kantonspolizei Bern.

«Semistationäre Anlagen sind fle-xibler einsetzbar, können für kurze Zeit an einem Standort aufgestellt und danach wieder verschoben werden», sagt sein Kollege Thomas Hobi von der Kantonspolizei Graubünden. Zudem brauche es, anders als bei bisherigen mobilen Radarfallen, kein Personal, um das Gerät zu bedienen. Noch in diesem Jahr will Graubünden eine weitere semistationäre Anlage anschaffen.

Maximaler Ertrag bei minimalem Aufwand: Die neuen Geldmaschinen spülen Millionen in die Kassen der Städte und Kantone. Allein im Kanton St. Gallen stiegen die Einnahmen aus Geschwindigkeitsbussen in den letzten fünf Jahren von 8,7 Millionen (2008) auf 11,5 Mil­lionen Franken (2012). Im Kanton Baselland beliefen sich die Einnahmen aus Geschwindigkeitsbussen im letzten Jahr auf rund 20 Millionen Franken. Bussenhauptstadt der Schweiz ist Zürich. Hier machen 87 Radarfallen Jagd auf Temposünder, fünf neue davon sind semistationär. Dank der Überwachungsoffensive flossen im letzten Jahr 23,3 Millionen Franken in die Kassen der Stadt.

Sicherheit oder Abzocke?

Radarland Schweiz. Dient die grossflächige Überwachung von Strassen wirklich in erster Linie der Sicherheit? Oder ist sie vor allem eins: Abzocke?

Für Reto Cavegn (58), Geschäftsführer des Touring Club Zürich, macht eine gewisse Kontrolle in der Nähe von Schulen und Fussgängerstreifen Sinn. Aber es sei eine Frage des Masses. «Radarkästen an übersichtlichen Strecken, auf denen es keine Fussgänger gibt, sind reine Schikane», sagt Cavegn. «Das dient nicht der Prävention, sondern einzig der Geldbeschaffung!»

Die Strassenopfer-Vereinigung Roadcross hingegen begrüsst die Radaroffensive. «Die Einhaltung der Geschwindigkeit lässt sich nur über Kontrollen erreichen», sagt Sprecher Stefan Krähenbühl. «Je höher die gefühlte Kontrolldichte, desto grösser die Disziplin der Autofahrer. Dafür sind die semimobilen Kontrollanlagen ideal!»

Und die Überwacher ruhen nicht. Sie tüfteln bereits an den nächsten Innovationen, um die Jagd auf Temposünder noch ein­facher und effizienter zu gestalten. Vorreiter ist der Kanton Solothurn, wo zwischen Birchi- und Spitalhoftunnel eine der modernsten Geschwindigkeitsmessanlagen Europas in Betrieb ist.

Über eine Glasfaser-Standleitung werden die messerscharfen Bilder der Verkehrssünder in Echtzeit an die Zentrale übermittelt. Dort müssen die Mitarbeiter nur noch die Autonum-mer identifizieren und Rechnungen verschicken. Doch selbst dieses Prozedere könnte bald automatisiert werden. «Wir arbeiten an der automatischen Nummern­erkennung», sagt Polizeisprecherin Thalia Schweizer. Künftig soll eine Software die Autonummer erkennen, ihr die passende Adresse zuweisen und diese dann direkt in den Bussenbescheid einfügen. Radar total – digital.

 

Nicht vergessen:

Ab 1. November gilt in Österreich die Winterreifenpflicht. Für alle, die also nach Österreich zum Wintersport einreisen, gilt: Winterreifen aufziehen und zur Sicherheit für Berge und Pässe noch Schneeketten anlegen. Sollten Fahrer zwischen dem 1. November und dem 15. April bei Eis, Matsch und Schnee noch mit Sommerreifen unterwegs sein, drohen saftige Bußgelder zwischen 35 und 5000 Euro.

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